Replay Gain Tags erzeugen & in itunes verwenden


#1

Die Frage ist ein wenig off Topic:

Ich habe in foobar gute Möglichkeiten, die Replay Gain Tags zu erzeugen (Album by Tag, Album by Auswahl, Track) und wollte vermeiden, die Dateien sofort in der Lautstärke zu manipulieren.

Ein Tool für den Export von Replay Gain Tags nach itunes habe ich, was aber voraussetzt, dass die Replay Gain Werte und der itunes Soundcheck da sind. Doch der Ärger beginnt vorher:

foobar schreibt bei der Ermittlung der Replay Gain Werte in die itunes Kommentarfelder Werte, deren Bedeutung ich nicht kenne, die aber eine gewisse Ähnlichkeit mit itunes Soundcheck Werten haben.
Parallel treibt foobar die Spitze, indem es das originäre itunes Soundcheck Feld löscht!!!

Damit kann die Export => Import Routine nicht klar kommen, weil ihr etwas fehlt.

Mir stinkt, dass die Kommentare weg sind (ohne Ankündigung, weiß man sozusagen, wenn man foobar einsetzt) und dass die Soundcheck Werte von itunes ebenfalls weg sind.

Ich nutze ID3V2.3, weil ansonsten mein Philips MP3 Player als 2. Gerät Probleme macht.

Daher meine Fragen:

  1. Wie macht ihr das?
  2. Welches auch Album oder Selectionsorientierte Gaintool macht die Comments nicht platt?
  3. Lohnt der Aufwand?

Ich will an sich den Sound nicht direkt anheben oder absenken, nur in der Wiedergabe via itunes steuern können.

Vielen Dank
Wolfgang


#2

Handelt es sich bei dem Tool um ipodrg.exe?
Welche foobar2000 Version hast du?

Bei foobar2000 v0.9.4 beta 3 passiert bei mir nach dem RG-Scannen folgendes wenn eine Mp3datei schon einen normalen Kommentar und einen mit iTunNORM als Beschreibung hat:
Die 2 Kommentarfelder werden in ein TXXX Frame umgewandelt. Inhaltlich wird aber nichts gelöscht.
Trotzdem führt das dazu das der Kommentar in iTunes nicht mehr sichtbar ist, in Mp3tag aber schon, das beim Speichern den Kommentar auch wieder in ein normales COMM Frame schreibt, das alle Programme lesen können.

Ich würde so vorgehen:
Bevor du mit foobar RG-Scannen tust löschst du mit Mp3tag COMMENT ITUNNORM.
Da du die Souncheck Info sowieso mit der errechneten Lautstärke von foobar überschreiben willst brauchst du sie eigentlich nicht.
Dann lässt du mit foobar die RG-Werte erstellen. Dabei geschieht dann deinem normalen Kommentar nichts, da du ja jetzt nur ein Kommentarfeld hast.
Dann lässt du einfach von Mp3tag mit Aktion wieder die COMMENT ITUNNORM Kommentare erstellen. Als Inhalt reicht eigentlich aus wenn du das Feld mit sovielen Buchstaben füllst, dass es genau so lang ist wie die normalen Soundcheckdaten (oder du nimmst einfach einen Soundcheckwert den du in allen Dateien schreibst)
Am Ende müsstest du dann problemlos ipodrg.exe anweden können, da du RG-Werte so wie ein COMMENT ITUNNORM mit der richtigen Länge hast.

Machen würde ich das nur wenn du die Album Gain Lautstärke in iTunes haben willst, den Track Gain und Soundcheck müsste eigentlich sehr ähnlich sein. Oder du willst die Dateien in beiden Programmen abspielen.


#3

Handelt es sich bei dem Tool um ipodrg.exe?
JA

Welche foobar2000 Version hast du?
uups , ich hatte 0.9.2 irgendwoher bekommen, habe jetzt 0.9.3

Nun ist das Kokmmentarfeld nicht überschrieben worden, immerhin.
Auf der Homepage steht davon aber in der History nichts.
Ich werde aber erst mal von der beta die Finger lassen, weil von TXXX hab ich noch nichts gehört und eigentlich wollte ich seit zwei Tagen einfach nur die 8500 Songs gegained haben, nothing more.

Na ja, hoffen wir mal, dass es jetzt läuft und sicherheitshalber mach ich Single Scan & Album Scan und kann dann ggf. noch wechseln.

Was mir auffällt: Ich habe 95db angegeben und fast alle Songs aus Compilations, Charts etc. weisen leicht negative Werte auf, was mich stutzig machte. An sich wollte ich das Niveau anheben und weiß nun nicht, was passiert wenn ich auf 100 oder 105 gehe.
Ich hatte mal gelesen, dass so 3 oder 6 db ganz ordentlich wären.

Was ist da der empfehlenswerte Wert?

Danke
Wolfgang


#4

Die ReplayGain-Methode ist zunächst einmal eine Methode nicht zum Anheben aber zum Gleichmachen der Lautstärke, also zum Ausgleichen von Lautheitsempfindungen je Song ('track by track') bzw. je Songgruppe ('track by album'). Dabei wird der Amplitudenverlauf im Song nicht verändert, die Dynamik des einzelnen Songs in sich bleibt erhalten, es wird nur die relative Wiedergabelautstärke in bezug auf die Vergleichsgrößen Song oder Album angepasst. Der Song wird auch nicht 'normalisiert'.

Die Korrekturwerte können dabei sowohl positiv, als auch negativ für den einzelnen Song ausfallen, da die Lautheitsbewertung sowohl an einem fest einzustellenden dB-Wert (z.B. 89 dB oder doppelt so laut 95 dB), als auch bei Bezug auf das Album auf die Lautheit aller Titel eines Albums ausgerichtet wird.
Die Bewertung der Lautstärkeverhältnisse erfolgt aufgrund der besonderen Eigenschaften des menschlichen Ohrs (physiologische Lautstärkekorrektur), das in unterschiedlichen Frequenzbereichen unterschiedliche Empfindlichkeiten hat.

Ein ReplayGain db-Grenzwert über 95dB ist nicht zu empfehlen, weil dabei die Gefahr groß ist, dass 'Clipping' auftritt (Lautstärkespitzen werden abgeschnitten, es enstehen rechteckförmige Wellenmuster mit Wellenanteilen über das gesamte Frequenzspektrum), was musikalische Ohren doch eher als störendes Geräusch empfinden.

Wer MP3 encoding betreibt muss immer auch berücksichtigen, dass selbst die dabei eingesetzten digitalen Filter ein 'Überschwingverhalten' haben, was im Zusammenspiel mit den im Song vorhandenen studiotechnischen Produktionsmerkmalen dazu führen kann, dass im encodierten MP3 Song bestimmte Frequenzbereiche plötzlich Spitzen aufweisen, die in der originären Waveform Quelle nicht vorhanden waren. Es ist also immer auf genügend 'Headroom' zu achten, damit beim Abspielen von MP3 Songs eben dieses Clipping vermieden wird.

Eine gute Beschreibung von Frank Bicking findest du hier:
http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=23
or directly from David Robinson, the Replay Gain author himself:
http://replaygain.hydrogenaudio.org

Vor ein paar Jahren, irgendwann so zwischen 1999 und 2001 hatte ich im Cool Edit Forum eine Methode vorgestellt (ich weiß nicht mehr genau wann, die Forumsbeiträge sind bei der Übernahme von Syntrillium durch Adobe verloren gegangen, und deshalb auch nicht mehr im Internet recherchierbar), mit der man mit Cool Edit z.B. bei Compilationen die Lautheiten der einzelnen Songs gegeneinander angleichen kann, bzw. als ein Ergebnis daraus folgend, z. B. bei Eigenproduktionen je nach Bedarf den Hitsong in spe mit ein paar dB mehr pushen konnte.
Cool Edit errechnete dabei selbst den RMS Wert (Root Mean Square) der Waveform und mit etwas Grundrechenkunst und einer geeigneten Handlungsabfolge habe ich viele meiner eigenen CD-Produktionen gehörrichtig abgeglichen.

Damals war auch David Robinson oft Gast im CoolEdit Forum und forschte nach Meinungen zur gehörrichtigen Abspiellautstärke bei encodierten MP3 Songs. Als David dann erstmals sein Replay Gain Konzept vorstellte, hielt ich das zunächst für eine 'freaky idea', weil seine Idee sozusagen am Ende des Produktionsprozesses ansetzte.
Aber David stellte seine Idee ganz gut wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar auf die Beine und konnte, wie wir heute wissen, die Musikwelt allgemein überzeugen, Hörer und Hersteller, so dass wir alle meinen, wir hätten diese Art von Gleichmacherei unbedingt nötig :slight_smile: .
Nochmals meinen Herzlichen Glückwunsch an David Robinson für diesen enormen Erfolg.

Zur Anpassung meiner MP3 Songs benutze ich das foobar2000 non-destructive replay gain feature und finde sowohl die Handhabung als auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit ganz in Ordnung.
Ich habe noch keine Probleme durch veränderte Kommentarfelder festgestellt.

DD.20060921.1155


#5

Hallo Detlev,
Danke für die Infos ... Mich hat verwundert, dass eine an sich schon im leise Sammlung nun noch leiser werden sollte bzw. negative DB aufwies.

Ich habe mich meistens am Album orientiert, nur die Chartgeschichten jeweils als Track gainen lassen.

Bei dem non destructive feature meinst Du das festlegen in den max. 4 GainTags, oder?

Danke

Wolfgang


#6

Wolfgang, ich meine die foobar2000 Replay Gain Funktionen, die im Kontextmenü mit 'Scan' beginnen und nicht die, die mit 'Apply' beginnen, denn 'Apply' würde die Lautstärkekorrektur 'dauerhaft' in alle Frames einer MP3 Datei hineinschreiben, und das will man ja auch nicht immer so haben.

DD.20060921.1444


#7